Das Projekt

Bundesministerium für Wirtschaft und TechnologieDas Aufgabenspektrum des Facility Management (auch Anlagen- management) umfasst die Planung, Durchführung und Optimierung von Sekundär- (Unterstützungs-) Prozessen zur Sicherstellung der Primär- (Wertschöpfungs-) Prozesse eines Unternehmens. Wichtige Betätigungsfelder sind unter anderem die bauliche Betreuung inkl. Abnahme und Inbetriebnahme sowie die Instandhaltung (IH) von Industrieanlagen. Die dabei auszuführenden Tätigkeiten kennzeichnet ein hoher Bedarf an Informationen aus. So müssen beispielsweise Istzustände mit Planungsunterlagen abgeglichen, Betriebsparameter überprüft oder Bauteile ausgetauscht werden. Die dafür notwendigen Informationen, wie Hallenlayouts, Raumbücher, Ausstattungslisten oder technische Spezifikationen entstehen entlang des gesamten Lebenszyklus einer Industrieanlage. Daran beteiligt sind verschiedene Unternehmen, angefangen bei den Planungspartnern, über den Anlagenbetreiber bis hin zu FM-Dienstleistern. Viele dieser Informationen gehen heute verloren und stehen für o. a. IH-Tätigkeiten nicht mehr zur Verfügung. Verantwortlich dafür sind fehlende zentrale Zugriffe, Vielfalt bei Dateiformaten, welche eine einheitliche Verarbeitung nahezu unmöglich machen und eine hohe Dynamik, also eine hohe Veränderlichkeit. FMstar ColorationHinzu kommt die begrenzte Aufnahme- und Verarbeitungskapazität des Menschen. Seit Jahren steigen die Datenmenge und deren Komplexität, sprich deren Vernetzungsgrad. Vielerlei Abhängigkeiten machen isolierte Betrachtungen anstehender Aufgaben unmöglich. Die Tätigkeiten stehen stets in einem Spannungsfeld von Überblicks- und Detailwissen zu den technischen Anlagen. Die Folgen sind Entscheidungen auf einer vergleichsweise kleinen Basis von Informationen. Subjektives Erfahrungswissen besitzt eine hohe Bedeutung und führt zu einem Mangel an Objektivität und Reproduzierbarkeit.

Ein Konsortium aus 3 Hochschulen und 4 Unternehmen, unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. habil. C.-A. Schumann von der Westsächsischen Hochschule Zwickau, entwickelt im Rahmen des Verbundprojektes “FMstar – Facility Management mit Hilfe Semantischer Technologien und Augmented Reality”eine Lösung, welche zukünftig wertvolle Unterstützung bei der Bereitstellung notwendiger Informationen im FM-Alltag bieten wird.

Systemansatz FMstar

Systemansatz FMstar

Eine mobile Applikation (App) ermöglicht dem Instandhalter Planungs- und Zustandsdaten zu technischen Anlagen direkt an der Anlage vor Ort abzurufen. Möglich wird dies durch die Nutzung der Augmented Reality (erweiterte Realität) Technologie auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets. Dabei werden, beispielsweise für die Instandhaltung, relevante Informationen zu einer technischen Anlage inkl. CAD-Modellen lage- und blickwinkelgerecht direkt über die Anlage projiziert. Informationen zu Objekten in der virtuellen Welt erhalten so direkten Bezug zu jenen in der realen Welt. Zeitaufwendiges Suchen in technischen Spezifikationen, Zeichnungen und Schemata gehören damit der Vergangenheit an. Die Anlageninformationen stellt ein intelligentes Informationssystem zur Verfügung. Dies ist so konzipiert, dass unterschiedlichste, heterogene Datenbasen einbindbar sind. So lassen sich die komplette Anlagenhistorie, Planungs- und Betriebsdaten sowie Prozessanweisungen für die Instandhaltung abrufen. Hierbei setzt das Projektteam auf semantische Technologien. Die nebenstehende Abbildung verdeutlicht das Konzept von FMstar. Plug-Ins überführen alle Daten in eine semantische Datenbank. Hier werden sie anhand ihrer Bedeutung mit einander vernetzt. Im folgenden Schritt erfolgt die Filterung der Daten mit Hilfe von Kontextinformationen. Dazu gehören z. B. die Rolle des Benutzers, dessen Aufgaben und derzeitige Verrichtung, aber auch Umweltinformationen, wie der Ort, Distanzen zum Objekt oder Blickwinkel des Tablet-PC. Auf diese Weise erfolgt eine automatisierte Reduktion der Informationsmenge auf ein relevantes Maß, welche dann mittels Augmented Reality bereitgestellt wird.

Autor: Janek Götze, Dipl.-Wirtsch.-Ing., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Wirtschaftsinformatik, Westsächsische Hochschule Zwickau

Die Kommentare sind geschlossen.